Was ist Depression

Depression als Volkskrankheit

Die Depression ist eine Volkskrankheit - Trend steigend. Vor allem bei Fehlzeiten am Arbeitsplatz nimmt sie einen wichtigen Platz ein. Fast jeder zweite Deutsche erkrankt in seinem Leben mindestens einmal über ein paar Wochen daran. Die Depression kann im Extremfall töten. Fast 60.000 Europäer sterben jährlich an depressiv verursachtem Suizid. Dabei ist die Therapie gut verträglich und einfach durchführbar. Die Kunst besteht allerdings darin, die Betroffenen zu motivieren, dass sie aus der Isolation herauskommen und mit der Therapie anfangen.

Depression fordert den Betroffenen Schwerstarbeit ab, weil sie Energien raubt und das Gefühlsleben durcheinander bringt. Dazu kommen häufig Körpersymptome wie Schmerzen an allen möglichen Stellen, die andere Krankheiten imitieren. Daher wird Depression auch oft erst nach längerer Suche diagnostiziert.

Strategien gegen Depression

Das einzig gute an der Depression: aus medizinischer Sicht ist sie leicht zu behandeln. Es gibt vielseitige Behandlungsverfahren. Die psychiatrische Behandlung baut auf Gesprächstherapie und bei Bedarf auch auf spezielle Medikamente. Eine gute Behandlung berücksichtigt dabei individuelle Verträglichkeit und vermeidet Abhängigkeitspotenziale. Moderne Antidepressiva können den Botenstoffwechsel der Nerven ohne Abhängigkeitsrisiko regulieren, allerdings dauert es Tage bis Wochen, bis die Wirkung voll entfaltet ist. Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken sofort, sind aber nur zur Kurzzeitbehandlung geeignet.

Selbstwertgefühl wiederherstellen

"Ich bin einzigartig, wertvoll, liebenswert, meine Liebe ist anderen etwas wert", diese Grundüberzeugung ist lebenswichtig, obwohl die meisten Mitmenschen es nicht öffentlich so sagen würden. Bei Depression muß diese Gewissheit erst wieder aufgebaut werden.

„Morgenstund hat Blei im Mund“ - Rhythmus zurückgewinnen

Der Tag-Nacht-Rhythmus ist fast immer gestört. Wer an Depression leidet, fällt abends oft erschöpft ins Bett, um dann nach kurzer Zeit durch hartnäckiges Gedankenkreisen wieder aufzuwachen. Durchschlafen ist dann oft mehrere Nächte in Folge nicht möglich. Der Tag beginnt dann typischerweise schleppend mit einem "Morgentief", die Kraftreserven konnten ja auch nicht regeneriert werden.

Schuldgefühle und Isolation

Depression verursacht Schuldgefühle: „ich darf anderen nicht zur Last fallen“. Gleichzeitig steuern Depressive ihre Mitmenschen unbewusst durch Erzeugen von Schuldgefühlen. Nicht selten nervt das die Umgebung, und das Gefühl des Alleingelassenwerdens wird dann immer mehr zur Realität.

Hilfe aus dem Umfeld

Die Angehörigen leiden mit. Depressive können Hilfsangebote nicht unbedingt annehmen. „Gutes Zureden“, Aufmunterungsversuche à la „Kopf hoch“, „es wird schon besser“ verstärken beim Depressiven das Gefühl, von den anderen nicht verstanden zu werden, alles irgendwie falsch zu machen und treiben die Person immer weiter in das Gefühl des Alleinseins auf der Welt. Daher ist es oft einfacher, wenn die Angehörigen den ersten Schritt zur Therapie machen und professionelle Hilfe einschalten.

Warnsignal: "Gefühl der Gefühllosigkeit"

In der Öffentlichkeit wird das Thema Depression oft mit verweinten Gesichtern in Verbindung gebracht. Das führende Gefühl der Depression ist aber die Abflachung der Gefühle – im schlimmsten Fall die emotionale Leere. Depressive können also oft nicht weinen, wenn ihnen danach zumute ist, wenn sie lachen, fühlen sie sich schlecht „ich mache mir und den anderen was vor“. Bei der echten Trauer, weinen wir einem guten Menschen oder einer guten Zeit nach, die zum Ende gekommen sind. Bei der Depression wissen wir aber gar nicht richtig, was wir verloren haben.

Kontaktangebote lebenswichtig

Depression ist ein ewiger Begleiter der Menschheit, schon von den alten Griechen wurde genau beschrieben, wie schrecklich es sich anfühlt, wenn die Botenstoffe unseres Gehirns nicht richtig austariert sind. Viele verzweifeln daran, bevor sie professionelle Hilfe aufsuchen. Deshalb ist es wichtig, daß die Symptome einer Depression so früh wie möglich von Freunden oder Angehörigen erkannt werden. Die sind oft Ersthelfer, schieben den den Gang zur Therapie an. Im Erstgespräch wird den Depressiven oft klar, was sie bis dahin ausgehalten haben. Spannungen können abgebaut, Perspektive aufgebaut werden.
Besonders in der Schwangerschaft und als Wochenbettdepression kann und muß Depression konsequent behandelt werden.

Sprechende Menschen

Wenn ein Mitmensch vom Gedanken an Selbstmord redet, ist das immer ein Notfall, praktisch nie eine Spielerei. Wenn Sie schon den Eindruck haben, es könnte "so ein Geier" über Ihrem Mitmenschen kreisen, sprechen Sie ihn offen darauf an. Sie können damit nichts kaputt machen. Im Gegenteil: dieses Gespräch kann vielleicht ein Leben retten. (Nur) sprechenden Menschen kann geholfen werden.

"Das Zeitalter der Aufklärung"

Langsam, aber sicher bahnt sich eine gesellschaftliche Akzeptanz für die Volkskrankheit Depression. Auch in Bochum wurde das Bündnis gegen Depression aktiv.
Es hat sich herumgesprochen, daß auch Spitzensportler und  Topmanager betroffen sind.
Es wird immer mehr Menschen klar, wie gewisse Auffälligkeiten von Mitmenschen zu verstehen sind, daß auch ein naher Angehöriger darunter leiden könnte.
Immer mehr Menschen "trauen sich" und suchen professionelle Hilfe auf. Das ist sehr dankbar, weil Depression aus medizinischer Sicht gut behandelbar ist.
Auch Selbsthilfegruppen sind bei dieser Entwicklung ganz vorn dabei, z.B.:

Selbsthilfegruppe Bochum